Fragen und Antworten zum Obertonsingen

beanwortet von Oberton-Sänger Miroslav Großer

Wasser-Klang-Bild von Alexander Lauterwasser

Wirkungen von Obertönen

 

Was sind Obertöne? Obertöne sind die perfekt harmonischen Teiltöne in jedem natürlich erzeugten Gesamtklang, die dessen Klangfarbe, Klangcharakter und Klangqualität bestimmen. Jede dieser Teilschwingungen schwingt exakt x-mal so schnell wie der Basiston eines Klanges, der die jeweils tiefste Frequenz hat und als Grundton bezeichnet wird. Dieses physikalische Phänomen findet sich bei Stimmen und Instrumenten gleichermaßen und entsteht dadurch, dass alles Schwingungsfähige Ganze auch immer in all seinen kleinen Teilen mitschwingt. Diese kleinen Teile, z.B. der x-te Teil Deiner Stimmbänder erzeugt aufgrund eines physikalischen Gesetzes eine Frequenz, die dann x-mal so schnell ist wie die Basis-Schwingung Deiner Stimme. Die sogenannte Obertonreihe, die von diesen Teilschwingungen gebildet wird, geht bis ins Unendliche und lässt sich mit der Stimme nur begrenzt wiedergeben (etwa bis zum 20. Oberton).

Hier können sie sich die sogenannte Naturtonreihe bzw. Obertonleiter anhören

 

Was ist Obertonsingen? Obertonsingen ist die Fähigkeit eines Menschen, die Teiltöne im Gesamtklang seiner Stimme so zu verstärken, dass der Eindruck der Zweistimmigkeit entsteht, weil Grundton und Oberton als zwei einzeln klingende Töne wahrgenommen werden. Diese Fähigkeit ist leicht zu erlernen und tut dem Körper und der Seele sehr gut, manche sprechen von der Heilkraft der Obertöne, auch und insbesondere für die Stimme selbst. Ein Obertonsänger kann die Obertöne bewusst und willkürlich steuern und Melodien damit singen, im besten Falle kann er die Grundtöne auch noch gleichzeitig verändern, sodass zwei perfekt harmonisch verbundene Melodien aus einer Stimme zu hören sind. Das ergibt meist spezielle Gefühle beim Singenden, sowie bei den Hörenden. Viele Menschen erleben Obertongesang als bewusstseins-erweiternd und energetisierend, zumindest jedoch entspannend. In Ausnahmefällen empfinden Menschen es als unangenehm, da sich durch obertonreiche Klänge besonders das Scheitel- bzw. Kronen-Chakra öffnet, was in manchen Fällen noch unangemessen ist. Die Beobachtung der Chakrenöffnung beim Singen oder Hören von Obertönen ist mir von hellsichtigen Menschen mehrfach berichtet worden.

Was für Oberton-Gesangs-Techniken gibt es? Bei den tuvinischen Kehlkopfsängern werden bis zu zwanzig verschiedene Gesangstechniken unterschieden.
Ich unterrichte europäischen vokalen Obertongesang in drei Grund-Techniken und mehrere percussive Techniken für Fortgeschrittene. Allen meinen Gesangstechniken ist gemeinsam, dass sie sehr entspannend und wohltuend sind und somit eine Bereicherung für jede Stimme bedeuten. Ich unterscheide die Basistechnik des vokalen Obertonsingens und zwei Verstärkungs-Techniken, die ich L-Technik (verwandt mit Bird und Sygyt) und Gong-Technik (nasal) nenne.

Übungs-Anleitungen für Gesangs-Techniken des westlichen Obertonsingens

 

Oberton-Melodie

Für wen ist Obersingen gut? Für jeden, der sich zu Obertönen hingezogen fühlt, denn der Körper und die Seele wissen am besten, was ihnen gut tut. Will sagen, Obertöne sind nicht nur hilfreich für Menschen, die mit ihrer Stimme arbeiten, sondern auch für alle, die eine neue Beziehung zum Klang, zu ihrer Stimme und zu sich selbst aufbauen wollen. Obertöne sind sowieso in jedem Klang enthalten, also brauchen wir sie nicht erzeugen, es geht nur darum, sie wahrzunehmen, dann können wir sie auch steuern. Somit kann jeder Obertöne singen lernen, der eine Stimme und zwei Ohren hat! (Zumindest eins!)

 

Wie kann ich allein Obertöne singen lernen? Die Basis ist das gleitende Verwandeln der Vokale ineinander. Wenn Du das auf einem Grundton singend absolut langsam machst, wirst Du die Sprünge im Klang hören, obwohl Du die Grundton-Frequenz weiter stabil hältst. Diese Sprünge zeigen die unterschiedlichen Obertöne an, die durch eine bestimmte Vokal-Mundstellung verstärkt werden. Besonders geeignete Vokalwege sind die Übergänge von i über ü in Richtung u bis zum o, da Du auf diesem Weg alle singbaren Obertöne der Obertonleiter triffst. Natürlich kannst Du diesen Weg auch wieder zurück gehen. Ich empfehle, die Teilstrecken, auf denen Du hin und her gleitest, immer kürzer zu wählen, bis Du irgendwann zwischen zwei einzelnen Obertönen bewusst und absichtlich wechseln kannst. Das ist der Zeitpunkt, den ich als Beginn des Obertonsingens bezeichne. Je langsamer Du es machst, umso schneller wirst Du in Kontakt kommen mit den Obertönen. Dann geniess sie einfach und versuch sie zu halten, bevor sie Dir entgleiten.

 

Kann man den Grundton beim Singen auch so unterdrücken, dass man nur noch die Obertöne hört?
Um den Grundton akustisch nahezu verschwinden zu lassen, braucht es eine starke Fokussierung
und Lenkung der Klangenergie auf die Obertöne.
Das ist eine Frage des Bewusstseins und des Trainings.
Mit der Zeit wird der Effekt der Verstärkung der Obertöne stärker,
weil der Körper den Prozess immer mehr optimiert. Eine direkte Unterdrückung des Grundtons empfehle ich nicht,
ist aber in asiatischen Gesangstechniken durchaus üblich.
Dafür braucht es jedoch Spannungen im Kehlkopfbereich,
die ich persönlich kontraproduktiv empfinde in bezug auf mein
persönliches Ziel, die Lebensenergie beim Singen möglichst frei fliessen zu lassen, sodass ich mich entschieden habe, diese Varianten des Kehlkopfgesangs nicht zu praktizieren.

 

Verstärken sich die Obertöne mit der Zeit durch tägliches Üben und wie lange dauert das ungefähr? Da die Stimme und die Ohren in Teamarbeit alles geben, um uns ein harmonisches Klangerlebnis zu bereiten, werden die Obertöne als Inbegriff der perfekten Harmonie (ganzzahlige Vielfache der Grundtonfrequenz) von der Stimme und den Ohren durch Regulation der Mundraum-Resonanzen immer weiter optimiert, und das geht umso schneller, je öfter man (entspannt) singt und je länger man die Obertöne während des Singens klingen lässt. Der Effekt sollte schon nach einigen Tagen spürbar sein, spätestens nach einigen Wochen. Nach ein paar Monaten kann schon das Optimum an Resonanz-Verstärkung erreicht sein, dann geht es eher um die Geschwindigkeit, mit der Obertöne präzise gewechselt werden können, sowie um die Intervall-Abstände, die bewusst übersprungen werden können beim gezielten Ansingen von nicht benachbarten Obertönen.

Wie lange sollte man täglich mindestens üben, um stetige Fortschritte zu erzielen? Aus meiner Sicht ist es die Regelmäßigkeit, die den besten Trainingseffekt erzielt, sowie das innere Dranbleiben am Thema. Ich empfehle gern eine Kombination aus Experimentierfreude und Trainingsdiziplin, um die Balance zu wahren zwischen einer offenen Herangehensweise, die einfach nur Spaß macht und einer ganz gezielten, disziplinierten Vorgehensweise, bei der eine Trainings-Struktur sinnvoll und hilfreich ist, die dann beim Singen in herausfordernden, doch schaffbaren Schritten täglich voranschreitend umgesetzt wird. Dabei ist das Wiederholen und Vertiefen des schon Erreichten ebenso wichtig wie das Setzen neuer Ziele und Herausforderungen, die den eigenen Schaffens-Horizont regelmäßig erweitern. Ich lege da mehr Wert auf die Qualität und die Häufigkeit des Übens, als auf die Länge, doch möchte ich als Richtwert je eine Viertelstunde vormittags und nachmittags bzw. abends empfehlen. Wenn Du deine ganze Aufmerksamkeit UND deine Absicht in diese beiden Viertelstunden hineingibst, wird das bei einer täglichen Routine zu sehr schönen erfüllenden Trainings-Effekten führen. Für ganz Ambitionierte empfehle ich zusätzlich das Singen direkt nach dem Aufstehen oder/und direkt vor dem Schlafen gehen, gern auch in Kombination mit einer Meditationstechnik oder Yogapraxis. Dies kann den Zugang zum Klang noch wesentlich vertiefen, weil dann der Vorteil anderer (entspannterer und erweiterter) Bewusstseinszustände aufgrund der veränderten Gehirnströme und Hirnfrequenzen das Singen unterstützt. Dadurch sind völlig neue Erfahrungs-Dimensionen mit der eigenen Stimme und dem Singen möglich. Siehe auch meine Ausführungen zum Klang-Yoga.

Grundlagen und Gesangstechniken des Obertonsingens

Hier gelangen Sie zu den Obertongesang-CDs von Miroslav Großer

Einzel-Unterricht in Obertongesang

nächste Workshops für Obertonsingen

Das Wasser-Klang-Bild wurde mir freundlicherweise von Alexander Lauterwasser zur Verfügung gestellt. Danke