Die Faszination des besonderen Klanges
Obertongesang und Kehlgesang im Film
Millionen Menschen haben Obertongesang bereits gehört.
Die meisten wissen es nur nicht.
Denn sie begegnen den Obertönen zum ersten Mal beim Schauen eines Films, während der Soundtrack sie – oft sogar unterbewusst – mit magisch wirkenden Klängen fasziniert und berührt.
Sie sitzen im Kino, sehen gewaltige Berglandschaften, ferne Wüsten, geheimnisvolle Tempel oder fremde Welten. Aus den Lautsprechern erklingt eine sphärische engelsgleiche, teils außerirdisch klingende Stimme, die etwas Besonderes in Ihnen bewirkt. Gehirn und Gehör fragen sich beim erstmaligen Hören oft: „Was ist das für ein Klang, ist dies wirklich von einem Menschen gesungen?“
Ein Klang, der archaisch und zeitlos zugleich erscheint. Ein Klang, der berührt, fasziniert und lange nachhallt.
Seit Jahrtausenden nutzen Menschen auf verschiedenen Kontinenten die Kunst des Obertongesangs und des Kehlgesangs. Was einst in den Weiten Zentralasiens, der Mongolei und Tuwas, in spirituellen Traditionen und als Ausdruck tiefer Naturverbundenheit entstand, hat längst seinen Weg in die internationale Filmwelt gefunden.
Millionen Kinobesucher haben Obertongesang bereits gehört – in Dokumentarfilmen, Spielfilmen, Fantasy-Epen, Naturfilmen und großen Hollywood-Produktionen. Oft bleibt die Quelle des besonderen Klanges verborgen. Wahrnehmbar bleibt seine Wirkung: Weite, Tiefe, Präsenz, Geheimnis, Verbundenheit und Staunen.
Auf dieser Seite findest du eine Sammlung bekannter Filme, in denen Obertongesang oder Kehlgesang Teil der Filmmusik, des Sounddesigns oder der erzählten Klangwelt geworden sind. Die Liste zeigt, wie weit diese besondere Gesangskunst ihren Weg in die moderne Kultur schon gefunden hat.
Mit dem Thema verbindet mich auch eine persönliche Geschichte. Als Obertonsänger durfte ich selbst an Filmproduktionen mitwirken, darunter die Filme „Am Berg“ über Reinhold Messner sowie „Monsun Baby“. Dadurch erhielt ich einen unmittelbaren Einblick in die besondere Rolle, die Obertongesang im Film entfalten kann: Er erzählt oft genau jene Ebenen einer Geschichte, für die Worte allein nicht ausreichen.
Vielleicht kennst du einige der hier vorgestellten Filme bereits. Vielleicht hörst du ihre Klangwelten nach dem Lesen dieser Seite mit neuen Ohren. Und vielleicht entsteht dabei die Neugier, diesen faszinierenden Gesang nicht nur im Kino zu erleben, sondern auch unmittelbar und live. Dazu ganz unten auf der Seite mehr…
Obertongesang ist weit mehr als eine besondere Gesangstechnik. Er ist eine Klangkunst, die Menschen seit Jahrhunderten verbindet – und die heute auf den großen Leinwänden der Welt ebenso zuhause ist wie im direkten menschlichen Erleben.
Filmmusik mit Obertongesang
Baraka
Mit David Hykes‘ Oberton-Song „Rainbow Voice“.

Der Club der toten Dichter
Verwendet ebenfalls „Rainbow Voice“ von David Hykes.

Blade
Auch hier ist der Obertonsänger David Hykes als Performer im Soundtrack gelistet.
Hier kannst Du den Film „Blade“ von 1998 auf YouTube ausleihen.


Blade: Trinity
Ebenfalls mit „Rainbow Voice“ von David Hykes.
Trailer:
Blade Trinity Trailer
Tuwinischer Kehlgesang im Kinofilm
Genghis Blues
Einer der wichtigsten Filme überhaupt zum Thema. Kongar-ol Ondar und Paul Pena stehen im Zentrum der Handlung.
Infos:
Genghis Blues Official Site

The Song of Harmonics
Film von Hugo Zemp über Obertongesang und akustische Harmonien mit Trần Quang Hải. Der Film erhielt internationale Auszeichnungen.
Infos und Trailer:
The Song of Harmonics
Masters of Overtone Singing
Dokumentation über mongolische Meister des Khöömii.
Infos und 53 min Film:
Masters of Overtone Singing
Filme mit deutlich hörbarem Kehlgesang im Soundtrack
Lara Croft: Tomb Raider
Lara Croft: Tomb Raider – The Cradle of Life
Die ethnischen Vokalklänge werden von Zuschauern und Soundtrack-Foren regelmäßig als throat singing beschrieben. Der zweite Film enthält besonders ausgeprägte zentralasiatische Klangfarben.
Trailer:
Tomb Raider Trailer

Dune
Hans Zimmer verwendete explizit Kehlgesangs- und Obertonspektrum-Techniken für Teile des Klangdesigns. Analysen und Musiker verweisen besonders auf kargyraa-artige Techniken.
Trailer:
Dune Trailer

The Northman
Die Komponisten bestätigten die Verwendung von Tuvan Music und aufgenommenen Throat Singers für den Score.
Trailer:
The Northman Trailer

Spirituelle und sakrale Filmproduktionen
La Grande Bellezza
Mit Oberton- und Sakralvokalästhetik von Vox Clamantis.
Trailer:
La Grande Bellezza Trailer
The Golden Compass
Alexandre Desplat arbeitete mit Obertonklängen als Teil der mystischen Klangwelt.
Trailer:
The Golden Compass Trailer

The Life of the Buddha
Mit Wolfgang Saus und dem Aachener Obertonchor.
Infos:
IMDb The Life of the Buddha
Weitere Kandidaten mit hoher Wahrscheinlichkeit
Hier wird es interessant:
Es existieren zahlreiche Produktionen, bei denen Fachhörer sehr deutlich Obertongesang, Kargyraa oder Khöömii wahrnehmen, während dies öffentlich kaum dokumentiert wurde:
- Arrival
- Samsara
- Kundun
- Seven Years in Tibet
- The Last Temptation of Christ
- The Revenant
- Avatar
- Avatar: The Way of Water
Bei diesen Filmen müsste man jeweils die Original-Soundtracks, Musikerlisten und Recording-Credits analysieren, weil die Grenze zwischen:
- echtem Obertongesang,
- tibetischer Ritualstimme,
- Kargyraa,
- vokalem Drone-Sound,
- granularem Vocal-Sounddesign
oft verschwimmt.
Aus musikwissenschaftlicher Sicht wäre wahrscheinlich die spannendere Frage:
„In welchen internationalen Filmproduktionen wurden tatsächlich Obertongesänger oder Kehlsänger als ausführende Musiker engagiert?“
Diese Liste wäre deutlich kleiner — aber historisch wesentlich präziser. Und genau dort tauchen dann Namen wie David Hykes, Wolfgang Saus, Michael Ormiston, Christian Bollmann, Kongar-ol Ondar oder eben Miroslav Großer auf.
Filmmusik mit Obertongesang von Miroslav Großer
Messner
Dokumentarfilm über Reinhold Messner
Der Einsatz von Obertongesang passt hier auch thematisch sehr präzise zur Bergwelt, Weite, Einsamkeit und Resonanz von Naturraum und Stimme, insbesondere bei der Nahtoderfahrung von Reinhold Messner, wo die Grenzerfahrung des nahenden Jenseits von den Obertönen klanglich verstärkt wird.
Infos und Trailer
Messner
Monsun Baby
Spielfilm zum Thema Leihmutterschaft.
Hier wurde Obertongesang gezielt als emotionale und transpersonale Klangfarbe im Moment der Zeugung eines Menschenlebens eingesetzt.

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Warum Obertongesang im Film so häufig eingesetzt wird
Wer aufmerksam zuhört, begegnet dem Obertongesang an vielen Orten. In Konzertsälen, spirituellen Traditionen und auf den Bühnen der Welt. Obertöne selbst können auch in der Natur erlauscht werden und sogar im Klang vieler Fahrzeuge und Geräte wie Staubsauger und elektrischen Zahnbürsten. Viele Menschen kennen polyphonen Gesang jedoch aus einem ganz anderen Zusammenhang: dem Kino.
Obertongesang und Kehlgesang gehören zu den Klangphänomenen, die eine außergewöhnliche Wirkung auf die menschliche Wahrnehmung entfalten. Sie klingen vertraut und fremd zugleich. Eine einzige Stimme scheint mehrere Stimmen gleichzeitig hervorzubringen. Aus einem Klang entfaltet sich eine ganze Klanglandschaft. Genau diese besondere Qualität macht Obertongesang seit Jahrzehnten zu einem faszinierenden Werkzeug für Filmkomponisten und Sounddesigner.
Klang gewordene Weite
Viele Filme nutzen Obertongesang, um Räume erfahrbar zu machen, die größer erscheinen als der Mensch selbst.
Hohe Gebirge, endlose Wüsten, weite Steppen oder der offene Himmel besitzen eine gemeinsame Eigenschaft: Sie vermitteln Größe und Weiträumigkeit. Obertongesang erzeugt einen ähnlichen Eindruck auf akustischer Ebene. Die hörbaren Obertöne scheinen sich vom Grundklang zu lösen und in den Raum hinauszuwachsen. Dadurch entsteht das Gefühl von Weite, Tiefe und Offenheit.
Filme über Berge, Natur oder große Landschaften greifen deshalb besonders häufig auf diese Klangsprache zurück.
Die Stimme der Natur
Der Klang des Obertongesangs erinnert viele Menschen an Naturphänomene.
Wind, Wasser, Vogelstimmen, das Summen von Insekten oder das Rauschen eines Waldes besitzen komplexe Obertonspektren. Obertongesang macht genau diese Spektren hörbar. Dadurch entsteht eine unmittelbare Verbindung zwischen menschlicher Stimme und natürlicher Klangwelt.
Filmkomponisten nutzen diesen Effekt gerne, wenn Natur nicht nur gezeigt, sondern auch emotional erfahrbar werden soll.
Spiritualität ohne Worte
Obertongesang besitzt eine bemerkenswerte Eigenschaft: Er vermittelt Tiefe, ohne konkrete Aussagen zu treffen.
Ein Dialog erklärt. Ein Bild zeigt. Ein Obertonklang öffnet einen Erfahrungsraum.
Deshalb taucht Obertongesang häufig in Szenen auf, die Themen wie Meditation, Kontemplation, Sinnsuche oder Transzendenz berühren. Die Musik liefert dabei keine Antwort. Sie erweitert den inneren Raum, in dem Antworten entstehen können.
Die Erinnerung an das Archaische
Obertongesang zählt zu den ältesten bekannten Gesangsformen der Menschheit.
Viele Kulturen entwickelten Techniken, bei denen die natürliche Obertonstruktur der Stimme bewusst genutzt wurde. Diese Traditionen reichen weit zurück und entstanden lange vor moderner Unterhaltungskultur.
Wenn heutige Zuschauer Obertongesang hören, entsteht oft das Gefühl einer Verbindung zu etwas Ursprünglichem. Die Klänge wirken zeitlos. Sie scheinen aus einer Epoche zu stammen, die älter ist als jede geschriebene Geschichte.
Für historische Filme, Mythen, Legenden und archaische Erzählungen bietet diese Klangqualität einen großen künstlerischen Reichtum.
Klang der Transformation
In vielen Filmen markiert Musik einen Übergang.
Ein Mensch überschreitet eine Grenze. Eine Erkenntnis entsteht. Eine Reise beginnt. Ein alter Lebensabschnitt endet und ein neuer öffnet sich.
Obertongesang eignet sich besonders für solche Momente, weil sich die Wahrnehmung während des Hörens verändert. Aus einem einzigen Grundklang treten neue Ebenen hervor. Der Klang wandelt sich, obwohl sein Ursprung bestehen bleibt.
Diese Bewegung ähnelt vielen inneren Entwicklungsprozessen und macht Obertongesang zu einem wirkungsvollen Begleiter von Transformationsszenen.
Die Stimme fremder Welten
Science-Fiction- und Fantasyfilme nutzen Obertongesang besonders häufig.
Der Grund liegt auf der Hand: Die Klänge wirken außergewöhnlich, ohne künstlich zu erscheinen. Sie stammen aus einer menschlichen Stimme und klingen dennoch anders als die meisten Menschen es gewohnt sind.
Dadurch entsteht ein idealer Klang für fremde Kulturen, unbekannte Landschaften oder neue Welten. Die Musik vermittelt Andersartigkeit und bleibt gleichzeitig organisch und lebendig.
Filme wie Dune oder zahlreiche Fantasy-Produktionen greifen genau auf diese Wirkung zurück.
Mehr als ein Spezialeffekt
Obertongesang ist weit mehr als eine besondere Gesangstechnik. Er verbindet Stimme, Natur, Raum und Wahrnehmung auf eine Weise, die in der modernen Filmmusik kaum eine andere Klangform erreicht.
Vielleicht liegt genau darin sein Geheimnis.
Obertongesang erzählt von Weite, Natur, Tiefe, Ursprung und Veränderung. Er macht Unsichtbares hörbar und erweitert die emotionale Dimension eines Films um die Ebene der Magie.
Viele Menschen haben diese Klänge bereits im Kino erlebt. Manche erinnern sich an einen besonderen Moment. Andere an eine geheimnisvolle Atmosphäre. Wieder andere an ein Gefühl, das sich nur schwer in Worte fassen lässt.
Obertongesang gehört somit zu jenen seltenen Klangkünsten, die genau dort ihre größte Stärke entfalten: an der Grenze zwischen Hören, Fühlen und echtem Staunen über die Wunder und Mysterien der Schöpfung.
